Archiv für den Monat: Juli 2013

Tierheiminterview – Tierheim München – Roberta Coltro

Roberta vom Tierheim München

Bitte eine Kurzvorstellung Deiner Person / Was ist Deine Aufgabe im Tierschutzverein / Tierheim München? / ehrenamtlich? / Was macht Dir daran besonders viel Spaß?

Ich heiße Roberta Mioni Coltro, bin 31 Jahre alt und komme aus Brasilien. Ich wollte schon als Kind für die Tiere arbeiten, nun arbeite ich seit 3 Jahren hier im Tierschutzverein München/Tierheim München. Ich bin hauptamtlich angestellt und bin für den Bereich „Kommunikation/Web-Entwicklung“ zuständig sowie für die Bereiche „Betreuung der Ehrenamtlichen“ und „Tierschutzunterricht für Kinder“.
Ich liebe meinen Job weil ich anderen Lebewesen damit helfen kann. Ich finde es auch sehr schön, wenn ich merke, dass ich andere Leuten und Kinder für den Tierschutz überzeugen kann. Tierschutz ist etwas sehr Wichtiges für unsere Gesellschaft. Mit dem Tierschutz versuchen wir Menschen Respekt und Ethik zu vermitteln, dies sind Eigenschaften die unsere Welt positiv verändern können.


Du arbeitest im Tierschutzverein / Tierheim München. Seit wann gibt es Euch und was macht den Tierschutzverein / das Tierheim besonders

Der Tierschutzverein wurde im Jahr 1842 gegründet. In unserem professionell geführtem Tierheim werden auf unserem 5,8 Hektar großen Anwesen jährlich rund 8.500 Haus-, Wild- und Nutztiere in Not aufgenommen, pflegerisch und tierärztlich versorgt und an neue Plätze vermittelt. Einige nicht mehr vermittelbare Tiere werden auf unserem idyllisch gelegenen Gnadenhof Kirchasch bei Erding langfristig betreut. Außer für kommunale Tierschutzaufgaben setzt sich der Tierschutzverein München e.V. – mit einem Stamm von rund 11.000 Mitgliedern, zahlreichen Förderern und ehrenamtlichen Helfern in etlichen Tierschutzprojekten – auch in Kooperation mit anderen Tierschutzorganisationen, nachhaltig für das Wohl der Tiere ein.


Angenommen ich möchte einem Eurer Schützlinge ein neues Zuhause geben, wie läuft eine Vermittlung ganz genau ab und worauf achtet Ihr bei einem Interessenten?

Bevor man sich ein Tier aussucht soll man direkt zum Tierpfleger gehen und nachfragen, ob ein passendes Tier da wäre. Das ist sehr wichtig, denn man kann nicht ein Tier nur wegen seinem Aussehen adoptieren. Der Charakter des Tiers muss auch mit dem neuen Tierhalter harmonieren. Bei Hunden benötigen wir z.B. eine schriftliche Bestätigung des Vermieters für eine Hundehaltung, bei Kampfhunden der Kategorie I oder II muss bei dieser Erlaubnis die Rasse erwähnt werden. Kann man der Hund z.B. zu Arbeitsplatz genommen werden, wenn nicht, wie lang bleibt dann das Tier allein? Das sind Fragen die wir den neuen Tierhalter stellen. Wir bitten die Interessenten, falls um eine Familie handelt, dass jedes Mitglied der Familie, bevor man das Tier heim nimmt, hierher kommt und das Tier (vor allem Katzen und Hunde) kennenlernt. Alle sollen mit dem neuen Familienmitglied (Hunde, Katze & Co.) einverstanden sein. Dabei muss man herausfinden ob jemand allergisch auf Tierhaaren ist, denn es wäre schade wenn das Tier deswegen zurückgebracht wird. Man soll den Personalausweis mitbringen und einverstanden sein, dass wir nach der Vermittlung eine Nachkontrolle machen, wo wir das Tier besuchen und schauen in welchem Zustand unser Schützling lebt. Tierheimtiere kosten auch etwas Geld, je nach Tierart, Alter und Gesundheitszustand verlangen wir Vermittlungsgebühr, denn unsere Tierschutzarbeit finanzieren wir hauptsächlich durch Spenden und Zuwendungen von Mitgliedern, Förderern und Tierfreunden.

Die Impfungen beim Hund

Welche sind möglich, welche notwendig und welche Impfintervalle sind sinnvoll

Hund können gegen unterschiedliche Erkrankungen geimpft werden. Um zu wissen welche Impfungen der eigene Hund benötigt kommt es auf Faktoren wie Alter, Kontakt mit Artgenossen oder Reisen in Ausland an. Gegen einige Erkrankungen sollten alle Hunde geimpft werden, einige Impfungen sind optional und es sollte individuell entschieden werden, welche der Hund benötigt.

Alle Hunde sollten gegen Parvovirose, Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Leptospirose und Tollwut geimpft werden.

Die Parvovirose ist die sogenannte Hundeseuche. Das Parvovirus verursacht vor allem bei Welpen Fieber, starke wässrig-blutige Durchfälle und Erbrechen. Die Tiere trocknen schnell aus, bekommen Kreislaufprobleme und eine Blutvergiftung ist möglich. Auch eine Infektion des Herzbeutels ist möglich. Meist verläuft die Erkrankung trotz Intensivtherapie tödlich. Die Erreger halten sich sehr lange in der Umgebung und ungeimpfte Tiere können sich sehr leicht anstecken.

Die Staupe wird durch ein Paramyxovirus hervorgerufen. Als Symptome kommen Fieber, eitriger Augen- und Nasenausfluss und Husten, meist in Kombination mit Durchfall und Erbrechen vor. Ca. die Hälfte der Tiere verstirbt. Die restlichen behalten fast immer chronische Symptome, wie neurologische Ticks und Hautveränderungen zurück.

Die ansteckende Leberentzündung, Hepatitis contagiosa canis, wird durch ein Adenovirus verursacht. Die Tiere zeigen Durchfall, Erbrechen, Gelbsucht und versterben häufig. Durch konsequentes Impfen tritt diese Erkrankung nur noch sehr selten auf.

Die Leptospirose wird durch verschiedene Stämme des Bakteriums Leptospira interrogans hervorgerufen. Die Infektion erfolgt meist durch stehende Gewässer oder die Aufnahme infizierter Nagetiere. Meist führt die Infektion zu einem akuten Nierenversagen. Auch eine Schädigung der Leber, Gerinnungsstörungen oder Hirnhautentzündungen sind möglich. Die Leptospirose wird durch eine Kombination von verschiedenen Antibiotika behandelt, dies ist allerdings nicht immer erfolgreich und oft behalten die Tiere Folgeschäden, wie eine Niereninsuffizienz. Außerdem können sich auch Menschen mit Leptospiren infizieren und schwer erkranken.
Die Tollwut ist die wohl gefürchtetste Infektionskrankheit überhaupt, da sie für nahezu alle Tiere und den Menschen ansteckend und immer tödlich ist. Die Ansteckung erfolgt durch den Biss (Speichel) eines infizierten Tieres. Tiere mit Verdacht auf Tollwut dürfen nicht therapiert werden. Nur ein Tier das gegen Tollwut geimpft ist darf ins Ausland reisen.

Um den Hund gegen diese Erkrankungen zu schützen muss er grundimmunisiert werden.Welpen sollten hierfür mit 8, 12 und 16 Wochen und dann nach einem Jahr wieder geimpft werden. Muss ein erwachsener Hund neu grundimmunisiert werden, sollte er zweimal im Abstand von drei bis vier Wochen und dann nach einem Jahr geimpft werden. Bei der Grundimmunisierung ist es sehr wichtig, dass die Impfintervalle eingehalten werden. Danach müssen alle viralen Komponenten nur alle 3 Jahre nachgeimpft werden. Lediglich die Leptospirose (bakterielle Komponente) muss jährlich nachgeimpft werden (siehe Impfschema).

Der Zwingerhusten ist eine Faktorenerkrankung und mit der Grippe beim neschen vergleichbar. Als Erreger kommen vorallem das Parainfluenzavirus und das Bakterium Bordetella bronchiseptica vor. Die Erkrankung äußert sich durch Nasenausfluss, meist starken Reizhusten und eventuell Fieber. Die Erkrankung verläuft in den meisten Fällen unproblematisch und eine Heilung ist fast immer möglich. Hunde die viel Kontakt zu anderen Hunden haben, wie in der Hundeschule, auf Ausstellungen oder in Tierpensionen sollten gegen Zwingerhusten geimpft werden, da vor allem der lang anhaltende Reizhusten für die Tiere sehr unangenehm ist. Die Impfung erfolgt intranasal (Gabe in die Nase). Es ist keine Grundimmunisierung notwendig und die Impfung sollte einmal im Jahr wiederholt werden.

Immer mehr Tier kommen aus südlichen Ländern zu uns nach Deutschland. Deshalb ist die Leishmaniose vielen bereits ein Begriff. Leishmanien sind Einzeller. Sie werden durch Sandmücken übertragen und besiedeln Haut, Lymphknoten und innere Organe, vor allem die Niere. Die Hunde magern ab und zeigen häufig Hautveränderungen, Durchfall und Erbrechen. In vielen Fällen erkranken die Tiere an einer schweren Niereninsuffizienz und können versterben. Da die Tiere niemals komplett geheilt werden können, müssen die Tiere lebenslang Medikamente nehmen. In Europa gelten vor allem Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Südfrankreich als Risikogebiete. Fährt der Hund regelmäßig mit in eines dieser Länder, sollte eine Leishmanioseimpfung in Betracht gezogen werden. Der Hund muss dreimal im Abstand von drei Wochen und dann jährlich geimpft werden.
Die Borreliose wird durch verschiedene Arten des Bakteriums Borrelia burgdorferi hervorgerufen, welche durch Zecken übertragen werden.Trotz häufig erhöhter Bluttiter, erkranken nur sehr wenige Hunde wirklich an einer Borreliose. Als Symptome kommen Fieber und wechselnde Lahmheiten vor. Um eine klinisch manifeste Borreliose zu behandeln müssen mehrere Wochen Antibiotika verabreicht werden. Die Impfung ist nicht zu empfehlen, da die Stämme die vor allem in Deutschland vorkommen nicht in der Impfung enthalten sind.

Empfohlenes Impfschema

Erkrankung Impfstoff Grundimmunisierung Intervall
Parvovirose

Staupe

Hepatitis

P

S

H

8.,12.,16.Lebenswoche bei Welpen

2x im Abstand von 3-4 Wochen beim erwachsenen Hund

Wiederholung nach 1 Jahr

Alle 3 Jahre
Tollwut T Mindestalter 3 Monate
einmalige Impfung ausreichend
Alle 3 Jahre
Leptospirose L 8.,12.,16. Lebenswoche bei Welpen
2x im Abstand von 3-4 Wochen beim erwachsenen Hund
Wiederholung nach 1 Jahr
jährlich
optional:
Zwingerhusten BpPI intranasal einmal Jährlich
Leishmaniose CaniLeish 3 Mal im 3 wöchigen Intervall jährlich