Archiv für den Monat: Januar 2015

Tierische Freundschaften

Meistens sieht man Tiere einer Tierart zusammen spielen: Hunde mit Hunden, Katzen mit Katzen. Aber manchmal zeigen unsere haarigen Begleiter uns auch, dass Freundschaft keine Grenzen kennt. Wir haben herzerwärmende tierische Freundschaften zusammengetragen, die zwischen Tieren ganz unterschiedlicher Art entstanden ist und anderen in keinerlei Hinsicht nachstehen.

Venya hilft beim Pauken

Es ist Freitagmorgen, die Kinder der Klasse 5b haben in der ersten Stunde Englisch Unterricht. Als die Stundenklingel ertönt, sind noch einige Kinder unruhig, laufen durch die Klasse, rufen sich etwas zu. Die Tür geht auf und Venya betritt die Klasse. Sofort verstummen die Rufe und alle kehren auf ihren Platz zurück. Schließlich müssen alle Taschen zu sein, denn jeder weiß, dass Pausenbrote nicht das richtige Futter für einen Hund sind. venya1

Der Unterricht beginnt- ganz gegen die Skepsis vieler Kollegen sind die Kinder sehr konzentriert. Sie arbeiten mit, achten auf die Lautstärke und ihren Ton. Ab und zu kommt Venya an den Tischen vorbei, lässt sich streicheln, legt sich entspannt hin und beobachtet den Unterrichtsablauf. „Seit Venya da ist, haben wir viele lachende Gesichter“ erklärt ein Mädchen der Klasse.

Die Schüler freuen sich, wenn Venya da ist. Sie bemerken die entspannte und ruhige Lernatmosphäre und genießen die Pausen mit dem Vierbeiner. „Sie kann schon richtig gut Fußball spielen. Letztens hat sie mit der Nase fast ein Tor für unser Team gemacht“, merkt ein Mitschüler an.

Im Umgang mit Venya lernen die Kinder, wie man einem Hund richtig begegnet und welche Höflichkeitsregeln einzuhalten sind, um ein stressfreies Miteinander schaffen zu können.

In der zweiten Stunde treffe ich mich mit zwei Mädchen, die unter großer Angst vor Hunden leiden. Nach Gesprächen waren sie bereit an dieser Angst zu arbeiten. In dieser Stunde haben die Mädchen die Möglichkeit Fragen zu stellen und zwanglos erste Erfahrungen zu sammeln. Durch Venyas freundliche und vorsichtige Art schöpfen sie langsam Vertrauen.venya2

Nach einer Pause treffen wir uns mit einem Schüler, der sich im Unterricht nur schlecht konzentrieren kann und bis vor kurzem das Lesen und Schreiben verweigert hat. Gemeinsam gehen wir in unseren Teilungsraum, indem er Venya in der Kuschelecke aus seinem neuen Buch vorliest. Das wäre vor einem halben Jahr noch nicht denkbar gewesen. Nun freut er sich schon darauf gemeinsam mit Venya zu erfahren, wie seine Geschichte weiter geht. Im Anschluss an die gemeinsame Stunde schreibt er in seinem Tagebuch auf, wie er die gemeinsame Zeit mit ihr empfand und was sie nach dem Lesen gemeinsam gespielt haben. Er sagt, dieses Schuljahr sei das Beste überhaupt, denn nun habe er Venya an seiner Seite.

Am Nachmittag findet in einer kleinen Gruppe von Drittklässlern die Schulhund AG statt. Darin lernen die Kinder unter anderem den richtigen Umgang mit dem Hund, die Körpersprache des Vierbeiners und die Umsetzung kleiner Lektionen. Am Ende der AG absolvieren sie eine kleine Prüfung, die sie zu „Venya- Profis“ auszeichnet,( die Laufzeit der AG beträgt ein halbes Jahr). Nun geben sie ihr Wissen an Mitschüler weiter und sind mit dafür verantwortlich, dass der Hund sich in der Schule wohlfühlen kann.

Im Bau ist zurzeit eine Bewegungsbaustelle, die in Einzelförderstunden zum Einsatz kommen wird. Ziel ist es den Schülern Erfolgserlebnisse zu verschaffen, indem sie gemeinsam mit Venya klettern und ihr kleine Aufgaben stellen. So soll das Selbstbewusstsein, die Selbstwirksamkeit und die Motorik gefördert werden.

Venya ist inzwischen aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Sie ist eine Partnerin, die Zufriedenheit, Entspannung und vor allen Dingen Fröhlichkeit in die Schule bringt!

 

Tierheimtiere bevor und nach ihrem Umzug ins neue Zuhause

Sich ein Tier anzuschaffen, ist eine weittragende Entscheidung, zu der viel Verantwortung gehört. Wenn man sich Tierheimtiere nach Hause holt, verändert das oft nicht nur das Leben des Tieres sondern auch des Tierhalters. Die Fotos auf unserer Fanpage illustrieren sehr gut, wie sich Tierheimtierw fühlen, wenn sie endlich eine Familie haben, die sie lieben können und von der sie auch geliebt wernden.

Fotowettbewerbsieger Amigo und seine „Listenhund-Geschichte“

2010 habe ich begonnen ehrenamtlich im Tierheim zu arbeiten. Nach einer kurzen „Ausbildung“ wurde ich Mitglied der Staff-Gruppe im Bochumer Tierheim, die sich überwiegend um Listenhunden, aber auch um Problemhunde kümmert.

IMG_9698

Außerhalb des Zwingers benahm sich Amigo ganz anders und eroberte das Herz seiner jetzigen Besitzerin im Sturm.

Nachdem ich dort ein Jahr mit verschiedenen Listenhund en gearbeitet habe und immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert wurde, wurde mir klar, dass viele Menschen nur das Bild der sogenannten Kampfhunde aus den Medien kennen. Ich habe in dieser Zeit sehr den ein oder anderen Listenhund kennengelernt, die trotz ihrer teils furchtbaren Vergangenheit durchweg freundlich zu Menschen waren.
Im Januar 2011 kam Amigo ins Bochumer Tierheim. Amigo ist ein 2009 geborener American Staffordshire Terrier und saß vorher schon 1 Jahr im Berliner Tierheim, in das er als 12 Monate alter Junghund kam. Dort zeigte er sich sehr zurückhaltend und ängstlich. Da gerade diese Rasse in Berlin sehr schlechte Vermittlungschancen hat, es gibt dort einfach zu viele Listenhund, werden regelmäßig Hunde in das Bochumer Tierheim überführt, wo sie in den meisten Fällen schnell ein neues Zuhause finden. Bei Amigo war das nicht der Fall. Er zeigte sich schwierig im Zwinger, war ängstlich und knurrte. Wenn er erst einmal vertrauen gefasst hatte, war er sehr frech. Nun was kann man erwarten von einem zweijährigen unerzogenem Hund mit Terrierdickkopf und nicht genügend Auslastung?
Wenn man in den Zwinger kam sprang er bis zur Decke und erwischte in seinem Übermut auch schon einmal einen Ärmel oder ein Hosenbein.
Am Anfang war es sehr schwierig mit ihm in der tierheimeigenen Hundeschule zu arbeiten, da er sich kaum konzentrieren konnte und dies auch nie gelernt hatte.
Nach einiger Zeit wurde Amigo ruhiger und entwickelte sich zum Streber. Alles wollte er perfekt machen. Mit anderen Hunden verstand er sich von Anfang an sehr gut. Wir sind immer in der Gruppe spazieren gegangen, denn auch im Tierheim darf der Sozialkontakt zu anderen Hunden nicht zu kurz kommen.

IMG_6282

Amigo mit seiner später hinzuadoptieren Spielgefährtin Pina.

Das Wichtigste war jedoch Amigo auf eine Vermittlung vorzubereiten. Deshalb nahmen mein Freund und ich ihn öfters übers Wochenende mit nach Hause, um zu testen wie er sich in der Wohnung verhält. Ist er stubenrein? Verteidigt er sein Körbchen? Kann er alleine bleiben? Und vor allem: Akzeptiert er Grenzen?
Dies alles war kein Problem. Amigo benahm sich vorbildlich und zeigte sich komplett anders als im Zwinger. Das führte dazu, dass wir begannen darüber nachzudenken ihn für immer zu behalten.
Amigo saß nun seit 2 Jahren im Bochumer Tierheim. Es hatten sich noch keine passenden Interessenten gemeldet.
Als wir dann in eine gemeinsame Wohnung zogen und sich herausstellte das Amigo wunderbar alleine bleiben kann, entschlossen wir uns, ihn zu adoptieren. Da wir ihn beide schon sehr gut kannten und auch wussten wie er sich in der Wohnung verhält war der Übergang fließend.
Nach ein paar Wochen bestand Amigo die Maulkorbbefreiung. Nichtdestotrotz besuchen wir mit ihm weiterhin die Hundeschule, vor allem, weil es ihm so viel Spaß macht.
Bis jetzt haben wir aufgrund seiner Rasse noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Natürlich gibt es immer mal wieder ein paar unbelehrbare Ausnahmen. Grundsätzlich werden wir überall freundlich aufgenommen und haben auch im Urlaub bei der Hotel- oder Wohnungssuche keine Probleme.

Foto

Veranstaltungen mit über 350 anderen Hunden und vielen Menschen nimmt Amigo als gute Gelegenheit war, ein Mittagsschläfchen zu halten.

Im August 2014 beschlossen wir einem zweitem Hund ein Zuhause zu geben und so kam Pina zu uns, eine 1 1/2 jährige Boxermix-Hündin, die durch eine Sicherstellung des Ordnungsamtes ins Tierheim kam.
Wir kämpfen aktiv gegen die Rasseliste und nehmen regelmäßig am Sokarun und ähnlichen Veranstaltungen teil. Dies ist aufgrund von Amigos ruhigem Gemüt gar kein Problem. Selbst mit ca. 350 Menschen und Hunden um ihn rum bleibt er cool und hält lieber sein Mittagsschläfchen (siehe Foto). Wir sind sehr stolz auf unseren kleinen Streber und hoffen noch vielen Menschen zeigen zu können, dass auch Listenhunde nur ganz normale Hunde sind.
Vorurteile einer bestimmten Rasse gegnüber sind oft einfach nur Unwissenheit und haben ihren Ursprung in medialer Hetze. Unserer Erfahrung nach ändern Menschen schnell ihre Meinung, wenn sie erst einmal einen Listenhund kennengelernt haben, denn dann hört man oft den Satz: „Kampfhund? Der doch nicht!“

Liebe Grüße von
Jacky & Manuel,
Pina & Amigo